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    Sucht und Kunst

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wer schon einmal Künstler wegen einer Suchterkrankung in Behandlung hatte, weiß um die besonderen Risiken, Belastungen, aber auch Ressourcen dieser Gruppe. Bei „U-Musikern“ ist das auch wissenschaftlich ganz gut unterfüttert: In den Songs geht es ziemlich häufig um suchtassoziierte Themen (1) und in der persönlichen Lebensführung - naja … (2). Allerdings, selbst die wilden Rockmusiker werden dies bezüglich ein wenig zahmer, zumindest, wenn man deren Autobiographien trauen kann (3). Und entgegen anderslautender Gerüchte sterben sie auch nicht gehäuft im Alter von 27 Jahren, Herzkreislauferkrankungen und Krebs sind mittlerweile auch für Popstars „natürliche“ Todesursachen (4). Und dann gibt es ja auch noch wahrhaft „Unsterbliche“ wie die Rolling Stones …Spannend und meist nur spekulativ zu beantworten sind dabei die Fragen „Welche Kunstwerke wären gar nicht oder ganz anders entstanden, wenn keine Substanzen im Spiel gewesen wären?“ bzw. „Welche Werke bekam die Welt nicht zu Gehör oder Gesicht, weil der Künstler einfach zu intoxikiert war?“ (5). Für die bildenden Künste liegen uns vergleichsweise wenige Daten vor (6).

    Umso mehr freuen wir uns, bei der Fachtagung anlässlich unseres 40jährigen Klinikjubiläums am 18.10.2017, Herrn Dr. Bernhard Maaz als einen der Referenten begrüßen zu dürfen. Als Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen hat er sich ein paar besondere Schätze aus seinen Häusern ausgesucht und wird diese erstmals unter dem Titel „Sucht und Rausch: in zwanzig Bildern“ vorstellen. Sie sind herzlich eingeladen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Prof. Dr. med. Reinhart Schüppel
    - Chefarzt -


    Literatur
    (1) Primack B, Dalton M, Caroll M, Agarwal A,
    Fine M (2008). Content Analysis of Tobacco, Alcohol, and Other Drugs in Popular
    Music. ArchPediatr AdolescMed 162: 169-175.
    (2) Oksanen A (2012) To hell and back:
    excessive drug use, addiction, and the process of
    recovery in mainstream rock autobiographies. Subst Use Misuse 47: 143-154.(3) Oksanen A (2013) Addiction and rehabilitation in autobiographical books by rock artists, 1974-2010. Drug Alcohol Rev 32: 53-59.
    (4) deLeeuw P (2011) Death and the pop musician.
    Ned Tijdschr Geneeskd 155: A4419.
    (5) Tolson G, Cuyjet M (2007) Jazz and substance
    abuse: road to creative genius or pathway to premature death. Int J Law
    Psychiatry 30:530-538.
    (6) Santora P, Dowell M, Henningfield J (eds,
    2010) Addiction and Art. John Hopkins University Press, Baltimore.