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    Intervallfasten - ein lebensverlängerndes Konzept?

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    nun ist die Fastenzeit schon wieder vorbei und je nach Ihrem abgelaufenen „Gelübde“ können Sie nun wieder nach Herzenslust fernsehen, Auto fahren, Ihr Handy benutzen oder Süßigkeiten essen. Vielleicht bleiben Sie aber auch bei etwas gerade sehr Angesagtem hängen, dem Intervallfasten. Dieses ist das neue Wunderheilmittel für nahezu „alles“: Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Krebs. Und – so behaupten es die Vertreter der Methode – Sie leben mit Intervallfasten nicht nur besser, sondern auch länger.

     Was sind denn die Fakten dazu? Und wie geht Intervallfasten überhaupt? Schon stecken wir in der Bredouille. So genau ist das nämlich gar nicht definiert. Streng genommen machen wir Intervallfasten ja „schon immer“: Drei Mahlzeiten und dazwischen nichts. Das Frühstück heißt auf Englisch nicht ohne Grund „Fastenbrechen“−Breakfast. Aber das, was heute wissenschaftlich als „Intermittent Energy Restriction“ definiert wird, geht darüber hinaus, allerdings in ausgesprochen vielfältiger Form. Und so gelten fürs Fasten zwei oder mehr Tage pro ein bis drei Wochen, abwechselnde Tage, Dinner-Canceling oder tägliche 8/16-Konzepte. Die Fastenzeiten umfassen 0% bis 25% der üblichen Kalorienaufnahme und manchmal noch zusätzliche Vorschriften, in den restlichen Tagen kann man „ganz normal“ oder ernährungsbewusst (1) essen.

    Zur Lebensverlängerung gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: es funktioniert bei Mäusen und Ratten, die schlechte: die Studien bei Menschen haben meist sehr kleine Teilnehmerzahlen und dauern längstens 6 Monate (2). Das ist auch das Problem aller „Abnehmstudien“ zum Thema. Tatsächlich könnten Sie mit Intervallfasten gut das Gewicht reduzieren, allerdings auch nicht besser als mit üblicher kontinuierlicher Kalorienreduktion (3).

    Spontan leuchtet das Intervallfasten ja schnell ein: Kaum eine Tierart nimmt ständig Nahrung zu sich und unsere Vorfahren hatten weder Kühltruhen noch Lebensmittel-Discounter mit ultralanger Öffnungszeit zur Verfügung. Intervallfasten lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf so eigentlich Selbstverständliches wie das Hungergefühl, gönnt uns Überflusspausen und bringt Struktur in den Tages- oder Wochenverlauf. Leider sind die Metaanalysen zum Gesundheitseffekt des Intervallfastens noch sehr ernüchternd (!). Sie lassen aber Raum für Hoffnung, die sich nun in methodisch besseren und größeren Untersuchungen noch zeigen muss (4, 5).

    Wie sieht es eigentlich mit „Alkoholfasten“ aus? In die vorösterliche Fastenzeit passte es ja ganz gut. Aber „bringt“ das auch was? Der größte „Feldversuch“ dazu ist der „Dry January“. In Großbritannien verzichten viele Menschen zum Jahresbeginn einen Monat lang auf Alkohol. Abgesehen von positiven Veränderungen im Körper führt der Dry January zu einem über sechs Monate anhaltenden gesünderen Trinkverhalten (6). Nicht schlecht für ein ganz spezielles Intervallfasten!

    Prof. Dr. med. Reinhart Schüppel

    Chefarzt