Die Geschichte der Fachklinik Furth im Wald: Vergangenheit − Gegenwart – Zukunft

    Die Anfänge der Fachklinik

    Bei ihrer Suche nach einem geeigneten Standort für eine Fachklinik für Abhängigkeitserkrankungen innerhalb Niederbayerns und der Oberpfalz traf die Gesellschaft für psychosomatische Therapie (GPT) ihre Entscheidung Mitte der siebziger Jahre für Furth im Wald.

    „Rehabilitationszentrum Furth im Wald KG – GPT – Gesellschaft für psychosomatische Therapie GmbH“ lautete der Eintrag in das Handelsregister, der am 05.07.1977 erfolgte. Im gleichen Jahr konnte das Richtfest gefeiert und die ersten Mitarbeiter eingestellt werden. Der erste Arbeitstag war der 18.07.1977, allerdings noch ohne Patienten. Für die Vorbereitung des Klinikbetriebs, zum Kennenlernen des Betreuungskonzepts, zum Einüben der Abläufe und zum Abstimmen mit den Behörden und Kostenträgern nahm man sich drei Monate Zeit.

    Drei Tage nach der Eröffnungsfeier wurde am 24.11.1977 der erste Patient aufgenommen. Die Klinik bot mit 132 Betten eine umfassende therapeutische Versorgung nach einem modernen Reha-Konzept. Aufgrund der von Anfang an hohen Akzeptanz, konnte der Betreiber in Abstimmung mit den Kostenträgern bereits Ende 1978 die Kapazität auf 160 Betten ausweiten.




    Fortwährende Modernisierung und Ausweitung des Angebots

    Mit Unterstützung des deutschen Caritasverbandes und des federführenden Rentenversicherungsträgers, der Landesversicherungsanstalt Niederbayern/Oberpfalz (heute Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd) wurde 1982 die muttersprachlich geführte Abteilung für Patienten aus dem ehemaligen Jugoslawien aufgebaut. Diese Erfolgsgeschichte dauert mittlerweile mehr als 30 Jahre an.

    Das Reha-Konzept wurde in den 1980er-Jahren konsequent und den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen folgend modernisiert: Die bis dahin hoch standardisierte Therapieplanung wurde individualisiert, das Behandlungssystem flexibilisiert, es wurden schrittweise Indikativgruppen und erstmals die Festigungs- und Auffangbehandlung angeboten.



    Eröffnung weiterer Abteilungen und Ausbau der Angeobte

    Im Oktober 1988 wurde mit der Eröffnung der Abteilung für Psychosomatik/Doppeldiagnosen das Behandlungsspektrum messbar ausgeweitet. Diese wurde 2016 in eine Abteilung mit psychiatrischem Schwerpunkt weiterentwickelt.

    Ein weiterer prägender Schritt in der Geschichte der Klinik war die Etablierung der frauenspezifischen Therapie: Ein reines Frauenteam versorgt seit 1991 Frauen mit Abhängigkeitserkrankungen. Hier entwickelte sich als ein Schwerpunkt die Behandlung von traumatisierten Suchtpatientinnen. Die trauma-spezifischen Ansätze stehen mittlerweile auch der Männerabteilung zur Verfügung.

    Mit der Aufnahme von Patienten mit pathologischem Glücksspiel erfolgte 2011 der Einstieg in die Behandlung von nicht-stoffgebundenen Suchterkrankungen. Diese Patientengruppe bildet den Kern für unsere derzeitig im Ausbau befindliche Abteilung für suchtnahe Psychosomatik (mit den geplanten neuen Angeboten für Patienten mit Internetabhängigkeit, sekundärer Opiatabhängigkeit bei schwerer Schmerzerkrankung und suchtnaher Essstörung.)

    Im Frühjahr 2017 ist die Kombinationsbehandlung (stationär in der Fachklinik, ambulant in Fachambulanzen) eingeführt worden. Damit stehen alle zeitlich differenzierenden Regelangebote der Kostenträger zur Verfügung.

    Die deutliche Zunahme körperlicher Begleiterkrankungen und deren Schweregrad veranlasste in den vergangenen Jahren einen spürbaren Ausbau der medizinischen Abteilung. Allgemeinärztlich-internistische Kompetenz in Diagnostik und Therapie ermöglicht auch die Versorgung somatisch schwerkranker Patienten. Viele einschlägige Krankheiten können ohne eine Unterbrechung der Rehabilitation im Haus behandelt werden. Durch enge Kooperation mit niedergelassenen Fachärzten und Krankenhäusern werden nötige Zusatzbehandlungen rasch ermöglicht und Informationen nahtlos weitergeben.

    Ebenso reagierte die Fachklinik personell und konzeptuell auf den kontinuierlichen Anstieg schwer psychisch belasteter und erkrankter Patienten. Sie orientiert sich aktuell an Teilhabestörungen und deckt deren Bewältigung durch vielfältige Angebote, z. B. Indikative Gruppen ab. Hierzu gehören auch spezielle geschlechtsspezifische Angebote, z.B. Trauma- oder Selbstsicherheitsgruppen. Ein Schwerpunkt der Angebote ist die Erhaltung und Förderung der Erwerbsfähigkeit der Patienten in der Ergo- und Arbeitstherapie.



    Bauliche Maßnahmen

    Neue Indikationsbereiche und modernisierte Konzepte bedingen auch neue Therapieangebote und eine angemessene Infrastruktur. Mit dem Bau einer großzügigen Sporthalle und der Modernisierung und Vergrößerung des Bereichs Ergotherapie wurde diesen Erfordernissen 1988/89 angemessen Rechnung getragen.

    Am 26.10.95 wurde das Haus Hohenbogen als Neubau in Betrieb genommen. Er beherbergt seitdem die Abteilung für Psychosomatik, die kontinuierlich wuchs und heute mit dem psychiatrischen Schwerpunkt das ganze Gebäude in Anspruch nimmt. Die Gesamtkapazität der Klinik wurde bis in das Jahr 2000 schrittweise auf 243 Betten erhöht. Damit ist die Fachklink die mit Abstand größte Suchtklinik in Bayern.




    Einführung eines Qualitätsmanagements

    Die wachsenden Anforderungen der Kostenträger und der zunehmende Wettbewerb auf dem Gesundheitsmarkt bedingen erhebliche Anstrengungen, um erfolgreich zu bestehen. Als zukunftssicherndes Kriterium wurde bereits sehr früh das Qualitätsmanagement identifiziert. Dieses wurde ab 2001 umfassend eingeführt. 2004 unterzog sich die Fachklinik als eine der ersten Kliniken überhaupt erfolgreich einer Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001. Im mittlerweile gesetzlich vorgegebenen Takt von drei Jahren wurden bis heute nahtlos alle Rezertifizierungen erfolgreich wahrgenommen.


    Träger- und Führungswechsel

    In ihrer fast 40-jährigen Geschichte hat die Klinik drei Trägerwechsel erlebt. Im Jahr 2012 wurde sie Mitglied der Johannesbad Gruppe. Durch die Zugehörigkeit zu einem großen Verbund hat die Fachklinik auf allen Handlungsfeldern noch mehr Möglichkeiten des fachlichen Austausches und der gegenseitigen Unterstützung.



    Gegenwart und Zukunft

    Aktuell befindet sich die Klinik in der Schlussphase der Definition eines neuen Standortentwicklungsplans, in dem Perspektiven und Entwicklungspotentiale der Klinik bis 2020 definiert werden: Inhaltlich – strukturell – baulich. Kooperation auch in der ambulanten und teilstationären Versorgung, Spezialisten im betrieblichen Gesundheitsmanagement, Engagement in Fort- und Weiterbildung, Partner in Wissenschaft und Forschung − das sind die Visionen, von denen bereits einzelne Bausteine umgesetzt werden konnten.

    Die verbindende Klammer um diese Aktivitätsbereiche bildet das Zentrum für psychische Gesundheit in Bayern. Die innovationsfreudige, wandlungsfähige und dynamische Fachklinik hat aber auch Bereitschaft zu Kontinuität und Tradition:

    • Seit 1979: Jahrestreffen für ehemalige Patienten und Mitarbeiter
    • Seit 1983: Jährliches Weiterbildungsangebot „Further Fortbildungstage“ für Fachpublikum
    • Seit 1990: Jährliches Arbeitstreffen für Selbsthilfegruppen
    • Seit 1991: Regelmäßiges Erscheinen der Klinikzeitschrift Gibacht

    Und nicht zuletzt: In ihren 40 Jahren ist die Fachklinik Furth im Wald von nur vier Chefärzten medizinisch-konzeptionell geprägt worden; auch das spricht für Kontinuität und Qualität.